Doch keine Kultur am Güterbahnhof?

Danke liebe Stadt – This is what democracy looks like!

Zu Beginn der letzten Woche veröffentliche die Stadt Osnabrück den Entwurf für den entscheidenden Bebauungsplan  für das Areal des alten Güterbahnhofs. Der Bebauungsplan wurde im Zuge des letzten Stadtentwicklungsausschuss am vergangenen Donnerstag nun an den Rat übergeben. Dieser wird wiederum am 05. April über den Plan abstimmen. Eine kulturelle Nutzung wird in der aktuellen Fassung explizit ausgeschlossen. Wenn der Bebauungsplan Anfang April in dieser Fassung verabschiedet wird, sieht es schwarz für unseren Kulturverein und der freien Kulturszene aus.

Seit sechs Jahren setzen wir uns für eine baurechtliche Erschließung für Kultur am alten Güterbahnhof ein. Neben unserem vielfältigen Engagement für niedrigschwellige Kultur mussten wir permanent um den Fortbestand unseres Freiraumes kämpfen, bis wir 2014 schließlich die freiwillige Räumung unserer Flächen antreten mussten. Seither standen wir im engen Kontakt mit der Stadtpolitik und Verwaltung. Wir schmiedeten Pläne zur Rekultivierung der zwei Jahrzehnten alten Brachflächen. Statt auf Konfrontation setzten wir fortwährend auf einen konstruktiven Dialog mit allen Beteiligten. Mit Erfolg: Aus der Politik erhielten wir stetig öffentlichen Zuspruch und die Aussage, dass im Ringlokschuppen Kultur geplant sei.

Der aktuelle Bebauungsplan ist dagegen ein deutlicher Affront gegen die gesamte Kulturszene in Osnabrück und beispielhaft für die trügerische Gesprächskultur der zuständigen PolitikerInnen. Trotz jahrelanger Gespräche und persönlicher Anschreiben aller 51 Ratsmitglieder im Februar diesen Jahres erhielten wir keinerlei Rückmeldung über die planerische Entwicklung. Erst mit der Veröffentlichung der Entwürfe wurden wir informiert. Der Bebauungsplan befindet sich nun (ausgerechnet über Ostern) im Eilverfahren zur Genehmigung- Ein Schelm wer dabei Böses denkt.

Unsere jahrelange Kulturarbeit und Einsatz für den Freiraum Petersburg wird gänzlich ignoriert. Wir werden erneut vor vollendete Tatsachen gestellt. Unsere Forderung nach Partizipation im Entwicklungsprozess wurde gänzlich überhört – This is what democracy looks like!

Wir Kulturschaffenden müssen für die vergangenen Planungsfehler der Stadt büßen. Durch dämmrige Hintertürabkommen mit der Zion GmbH und einem fehlenden Gesamtkonzept für die Entwicklung des Güterbahnhofs werden wird Kultur schließlich auf das Abstellgleis befördert. Keine einzige handfeste Alternative wurde uns angeboten. Die Kulturpolitik redet über ungelegte Eier und Luftschlösser – Dabei besteht JETZT die Gelegenheit Fakten am Güterbahnhof zu schaffen und für die Kulturszene in Osnabrück ein Zeichen zu setzen.

Um die Lebensquelle in ihre Schranken zu weisen, ist es nicht nötig, kulturelle Nutzungen für den Ringlokschuppen zu untersagen. Der Schuppen ist im Besitz der Stadt. Hier können wir unabhängig von Glaubensbekenntnissen eine Kulturszene etablieren, um dort wirklich ein „Aushängeschild“ mit Strahlkraft für die Friedensstadt zu entwickeln. Wo liegt das Problem? Zeigt endlich eure Karten.

Wie können wir noch Einfluss auf den Bebauungsplan nehmen?

All unsere Energie werden wir von nun an dafür aufwenden, unseren Ratsmitgliedern wissen zu lassen, dass wir den Bebauungsplan und den bisherigen Entscheidungsprozess entschieden ablehnen. Und dafür brauchen wir Hilfe von euch allen:

Ihr wollt auch kulturelle Nutzungen am Güterbahnhof sehen? Dann meldet euch bis zum 05. April täglich bei allen Ratsmitgliedern, um Ihnen eure Meinung zu sagen. Ruft sie (täglich) an, schreibt Mails und quatscht auf deren Anrufbeantworter. Die Leute sollen spüren, dass es eine Menge von Menschen in Osnabrück gibt, die über diese Entwicklung enttäuscht und erbost sind! Dieses Jahr sind Wahlen – sprecht das gerne an und überzeugt die Ratsmitglieder, dem Bebauungsplan nicht zu zustimmen!

Der Zug ist noch nicht abgefahren- Aber jetzt müssen wir alle unseren Beitrag leisten, damit uns die Stadt nicht hintergeht! Redet über den Güterbahnhof, macht auf unsere Situation aufmerksam.

Alle E-Mail Adressen und Telefonnummern findet ihr hier. Haut‘ in die Tasten! Osnabrück wird es euch danken.

Bleibt konstruktiv –
Euer Kulturverein Petersburg e.V.

Hier eine kleine Auswahl:

Wolfgang Griesert
E-Mail: oberbuergermeister@osnabrueck.de
Tel.: 0541/323-2011

CDU: Fritz Brickwedde (Fraktionsvorsitzender)
E-Mail: kabatzki.j@osnabrueck.de
Tel.: 0541/ 3232021

CDU: Anette Meyer zu Strohen
Tel.: 05405/ 3347

SPD: Frank Henning (Fraktionsvorsitzender)
E-Mail: frankhenning2@t-online.de
Tel.: 05402/ 6079117

SPD: Ulrich Hus
E-Mail: hus-halstenberg@web.de
Tel.: 0541/596820

SPD: Dirk Koentopp
Tel.: 0541/ 72665

SPD: Heiko Panzer
E-Mail: heiko.panzer@osnanet.de
Tel.: 0541/ 89722

Grüne: Michael Hagedorn (Fraktionsvorsitzender)
Tel.: 0541/ 802564

Grüne: Volker Bajus
E-Mail: volker.bajus@gruene-os.de
Tel. 0541/8009214

FDP: Thomas Thiele
E-Mail: thomas.thiele@fdp-osnabrueck.de
Tel.: 0541/335000

Griesert und Kulturverein eröffnen Zuwegung zum Ringlokschuppen

Pressemittelung: Oberbürgermeister Griesert und der Kulturverein Petersburg e.V. eröffnen feierlich die Zuwegung zum Ringlokschuppen.

Wir freuen uns, dass sich nun nach monatelangem Hin und Her der Zaun lichtet.

berichtet Vereinsmitglied Yenns Rilo. Schließlich ist der Kulturverein als Mieter der Stadt auf dem Gelände des Ringlokschuppens auf eine hinreichende Zufahrt angewiesen, sowie die Zugänglichkeit für Rettungswagen und Feuerwehr. Ob die derzeit noch im Bau befindliche, neue Zufahrt dies allerdings leisten kann, wurde von einigen Anwesenden angezweifelt. „Auch ein Krankenwagen kann seine Seitenspiegel einklappen, Zufahrt ist Zufahrt.“, äußerte sich dazu am Nachmittag ein Mitarbeiter aus dem Geschäftsbereich der Zion GmbH.

Um die neue Barrierefreiheit zu feiern, trafen sich am Mittag, während einer Kontrolle der Lagerflächen, einige der aktiven Kulturschützer_innen auf dem Außengelände des Ringlokschuppens. Noch mehr freuten sich die Anwesenden über den Besuch eines Stadtoberhauptes, das sich in den letzten Jahren sehr rar am ehemaligen Güterbahnhof gemacht hatte. Oberbürgermeister Wolfgang Griesert gesellte sich zu den Feiernden und wollte diesen Anlass nun endlich nutzen, um die ansässigen Kulturschaffenden in ihrem Engagement für Osnabrück zu unterstützen. In seiner kurzen Ansprache, ließ er bei einem Glas Sekt verlauten, dass dies „der erste wichtige Schritt zur Öffnung aller Zäune weltweit“ sei. Die Stadt Osnabrück könne auch hier ihre Vorbildfunktion als Friedensstadt nutzen. Er sicherte den Kulturschaffenden zu, alles zu tun, damit die freie Kulturszene am Güterbahnhof bleiben und weiter wachsen könne. Die ersten Barrieren seien nun gefallen und der in der Entwicklung befindliche Bebauungsplan, solle dieses Ziel langfristig sichern. Als vorübergehender Kulturdezernent der Stadt, sehe er dies als seine Aufgabe an. Kurzfristig soll an einer Zwischennutzung des Kulturvereins im Ringlokschuppen gearbeitet werden, um aus der derzeitigen Hauptaktivität des Kulturvereins, das Einlagern von Potentialen, wieder Aktivitäten für die Öffentlichkeit entstehen zu lassen.

Durch die Lücke im Zaun ist nicht alles getan, aber es lässt uns hoffen, dass auch wir bald wieder unsere Tore für kreative, neugierige Menschen in der Stadt öffnen können.

mit diesen Worten schließt Rilo die gemeinsame Begehung ab.

08.03.2016
08.03.2016

Bewegung – Begegnung – Zuwegung

Wir würden den Begriff „Zaun“ sehr gerne aus unserem Vokabular streichen, doch leider wird die Petersburg wie auch der Ringlokschuppen noch immer von dem Bauzaun der Zion GmbH umzingelt. Wie wir bereits im Oktober berichteten, gewann die Stadt die Klage auf Zuwegung zum Schuppen im Juli 2015. Seither befand sich die Klage in der Revision beim Landgericht Oldenburg. Juristisch gesehen könnte die Stadt Osnabrück durch den Oberbürgermeister Griesert das Urteil unmittelbar durchsetzen, ungeachtet des Revisionsprozesses. Griesert jedoch, befindet sich scheinbar im Winterschlaf – oder hat andere Pläne, als einem zeitweiligen Kulturbetrieb am Ringlokschuppen für die Petersburg zu ermöglichen.
Unterdessen schlägt das Landgericht vor, dass sich Stadt und Zion einem Mediationsprozess unterziehen. Ein gutgemeinter Vorschlag, der jedoch schon 2014/15 fehl schlug. Auf ein endgültiges Urteil für die Zuwegung wird also immer noch gewartet.

Warum ist die Zuwegung für den Kulturverein von Bedeutung?

Wir brauchen eine feste Zuwegung als Rettungszufahrt, um auf legalem Wege eine kulturelle Zwischennutzung des Areals erwirken zu können. Dort sehen wir die Möglichkeit, unser kreatives Treiben vorerst fortzusetzen. Dafür stehen wir mit der Stadt im engen Kontakt. In dem nächsten Treffen
werden wir den rechtlichen Rahmen für eine Zwischen- bzw. Sondernutzung ausloten und uns vereinsintern darauf vorbereiten, die formalen Hürden schnellstmöglich zu überwinden, um möglichst bald wieder bunt und kreativ am alten Güterbahnhof auftrumpfen zu können!

Wir haben viele neue und alte Ideen für dieses Jahr, die zum Mitmachen und Weiterspinnen locken. Neben vielen Konzerten im Schuppen und Gärtnern im Querbeet möchten wir vermehrt Workshops im Freiraum anbieten. Außerdem ist es uns wichtig, unseren Austausch mit Geflüchteten durch Werkstätten und gemeinsame Aktionen auszuweiten. Mit weiteren Veranstaltungen in den Proberäumen werden wir die Wurzeln des Kulturvereins stärken und die bisherige Kulturwiese des Vereins und der Petersburg nicht kampflos aufgeben. Nicht nur diese Aktionen brauchen tatkräftigen Hände. Der Freiraum-Gedanke lebt von den Köpfen, die ihn spinnen.

Was für wichtige Veranstaltungen stehen in Kürze an?

18.01.2016 Vereinsversammlung – Kommt zahlreich.
19 Uhr in der Burg

19.01.16 Filmvorführung „Seelenfänger Lebensquelle“ (von Trocoli-Castro)
und anschließender Podiumsdiskussion mit den Fraktionsvorsitzenden der Stadt
19:30 Uhr Eintritt frei
Kommt mit in die Lagerhalle, zeigt das Petersburg Logo (z.B. Button oder Shirt) und packt kritische Fragen ein, die Politik wird es euch danken.

01.02.16 Gerichtstermin Kulturverein vs. Zion GmbH
9:20 Uhr, Saal 91 Oberlandesgericht Osnabrück
Die erste mündliche Anhörung (mit neuem Richter) zur Klage auf Nutzungsentschädigung. Kommt zum Gericht und nimmt an der Verhandlung teil.
Abends: Vereinstreffen, Infos folgen.

Die Filmvorführung in der Lagerhalle gibt uns die Gelegenheit, erneut auf unsere Forderungen aufmerksam zu machen. Diese Lobbyarbeit wie auch die Gespräche mit der Stadt sind wichtige Schritte, um ein langfristiges Konzept für den Freiraum Petersburg auf die Beine zu stellen. Eine kulturelle Zwischennutzung im Ringlokschuppen wäre ein erster Teilerfolg in der Auseinandersetzung mit der Zion und der Stadt. Wir wollen am alten Güterbahnhof bleiben und keinen Wirtschaftsinteressen weichen- Für den Erhalt des Kulturschutzgebiets Petersburg!

Wir freuen uns über eure Unterstützung.
Bleibt bunt und kreativ,
Euer Kulturverein Petersburg e.V.