Tragt den Freiraum vors Rathaus!

Seit der Veröffentlichung des Bebauungsplanentwurfs für den Güterbahnhof setzten wir alle Hebel in Bewegung, um Einfluss auf die heutige Abstimmung im Stadtrat zu nehmen. Nochmals vielen Dank für Eure Unterstützung.

Am gestrigen Tage zogen wir spontan auf den Rathausplatz, um den Ratsmitgliedern zu ihren abschließenden Fraktionstreffen vor der Ratssitzung unser Geleit zu geben. Wir machten abermals öffentlichkeitswirksam auf unser Anliegen und die aktuelle Situation am Güterbahnhof aufmerksam. Bei lachender Sonne zogen wir in die Öffentlichkeit. Gemeinsam mit der Samba-Gruppe Rythms of Resistance, die GärtnerInnen aus dem Gemeinschaftsgarten Querbeet und der Tango-Arte Truppe bespielten wir den neu eroberten Freiraum. Als Tanzfläche und Bühne diente ein aus Kreide gemalter Petersburg-Stern auf dem Kopfsteinpflaster des Rathausplatzes. So fingen wir die PolitikerInnen nach und nach ab und bescherten den Sitzungen eine angemessene Hintergrundkulisse! Dabei zeigten wir abermals laut und deutlich, dass der Gedanke des Freiraums Petersburg weiterhin lebt und nicht kleinzukriegen ist!

Unsere Kampagne 370 zeigte in der letzten Wochen unter Eurer Mithilfe ihre Wirkung. Trotz Osterfeiertage haben wir Gespräche mit nahezu allen Parteien errungen, einzig die SPD zog sich in den Osterschlaf zurück. Naja, und unser stellv. Kulturdezernent a.k.a. Oberbürgermeister ließ zwar einen Ansatz von Gesprächsbereitschaft verlauten, traute sich aber scheinbar in der aktuellen Situation nicht aus seiner Höhle. Unserer Meinung nach ist es höchste Zeit, dass sich Herr Wolfgang Griesert positioniert und in die Öffentlichkeit tritt. Als ehemaliger Stadtbaurat hat er die jetzige Situation zweifelsohne mit zu verantworten und vermag zu einer konstruktiven Lösung zwischen Stadt, Zion GmbH und uns Kulturschaffenden beizutragen. Nach vielversprechenden Aussagen unseres aktuellen OB’s im Wahlkampf 2013 ließ er seither seine damaligen Ambitionen im Sande verlaufen – wie wollten Sie die freie Kulturszene am Güterbahnhof noch unterstützen?

Die Ergebnisse aus den Gesprächen mit den Grünen und der CDU brachten auch keine wirklichen Neuigkeiten ans Tageslicht. Die einen wollen unserer Einschätzung nach keine Freikirche am Güterbahnhof sehen und scheinen dafür bereit zu sein, eine rigorose, gewerbliche Nutzung auf dem gesamten Areal durchzubringen. Die anderen predigen für (menschenverachtende & homophobe) Religionsfreiheit und plädieren für kulturelle Nutzungen des alten Güterbahnhofs. Die freie Kulturszene am Güterbahnhof wird zum Spielball der Politik, der Wahlkampf kommt zum Vorschein.

Dabei befinden auch wir uns in einer handfesten Zwickmühle. Mit der Forderung nach einer kulturellen Nutzung des alten Güterbahnhofs würden wir ebenso den Weg für den Bau der Freikirche ebnen. Sollen wir uns nun opfern, um homophobe und weitere fragwürdige Praktiken zu unterbinden? Wie seht ihr das?
Fest steht hingegen, dass das Eigentumsdilemma unabhängig der Statuten des kommenden Bebauungsplans auch auf dem baurechtlichen Wege nicht zu lösen ist. Die Zion GmbH und Lebensquelle bleiben vorerst EigentümerInnen der knappen 22 Hektar. Deren Weltbild und Rechtsauffassung ist allen Beteiligten ausreichend bekannt. Das Tauziehen ist noch lange nicht vorbei, genauso wenig wie der Gerichtsprozess der Zion GmbH gegen unseren Kulturverein.

Den Pressemitteilungen der Parteien nach zu urteilen ist der Freiraum Petersburg ein wichtiges Kulturgut der Stadt Osnabrück. Schön, dass unsere Arbeit nun auch öffentlich honoriert wird. Wir wünschen uns nun deutliche Signale aus der Politik und Taten aus den Sympathiebekundungen der Parteien. Die Kulturschaffenden am alten Güterbahnhof brauchen eine handfeste Alternativlösung, und das auf schnellstem Wege. Seit zweieinhalb Jahren befinden wir uns nun im Dialog mit der Stadt – Aktuelles Ergebnis? Ein Bebauungsplan, der uns jegliche Grundlage für unser Schaffen am Güterbahnhof nimmt. Liebe Politik, macht endlich den Ringlokschuppen für eine kulturelle Nutzung in diesem Sommer frei und arbeitet mit uns an einem zukunftsfähigen Konzept!

Wir machen weiter und freuen uns über jegliche Unterstützung! Haut‘ weiter in die Tasten und lasst Euch nicht einlullen. Sollte heute dem Auslegungsbeschluss des Bebauungsplans zugestimmt werden, findet eine öffentliche Auslegung mit Beteiligung der Öffentlichkeit statt. Nutzt unser Email-Formular, seid kreativ und zeigt Protest gegen die aktuelle Entwicklung!

Bleibt bunt & kreAKTIV,
euer Kulturverein Petersburg e.V.

Ein schönes Wochenende war’s, mit den BesucherInnen der Reclaim Power!-Radtour. Am Samstag gab es Leckeres aus den Vokü-Töpfen und danach wurde unter’m herstblich kühlen (ja, was ist denn da passiert?!) Sternenhimmel getanzt, vernetzt, diskutiert und informiert.
Gute Fahrt euch weiterhin & bis bald!

reclaim-power

Am Sonntag haben wir PetersburgerInnen & andere Osnabrücker Fahrradfans uns neben den AktivistInnen auf die Drahtesel geschwungen und uns die Autostraßen bei einer Critical Mass zurück erobert. Denn Fahrradfreiräume müssen ebenso wie Kulturfreiräume: erobert werden… und beides ist in Osnabrück ja noch stark ausbaufähig.