Geschichte

Die Petersburg 1632 – 1648
Wir möchten hier ein Stück Stadtgeschichte in Erinnerung rufen. Der Freiraum Petersburg hat seinen Namen aus einem historischen Hintergrund heraus. Der Name soll daran erinnern, dass an dieser Stelle in den Jahren 1632 – 1648 ein Teil einer Festungsanlage namens Petersburg stand. Sie bestand in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts während des Dreißigjährigen Kriegs.

Stadtplan 1633 mit der Petersburg unten links. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Petersburg_(Osnabrück)
Stadtplan 1633 mit der Petersburg unten links.
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Petersburg_(Osnabrück)

An diese Zwingburg erinnern die Straßennamen An der Petersburg und Petersburger Wall sowie ein Modell der Stadt Osnabrück, das im Rathaus zu finden ist.
Die letzten Überreste verschwanden, als die Stadt im 19. und 20. Jahrhundert erweitert wurde.

Der Bau des Güterbahnhofs und dem anliegenden Wohnungs- und Straßenbau haben wohl jede Spur der einst so mächtigen Festungsanlage vernichtet.
Nach der Teilprivatisierung der Deutschen Bahn wurden große Teile des Güterbahnhofs liegen gelassen.
Im August 2008 wurden in dem Gebäude des ehemaligen Gleisstelllagers, des heutigen Freiraums Petersburg die ersten Räume als Musikprobenräume vermietet.

Am Anfang stand das Proberaumzentrum

Im Jahre 2007 verliebte sich der Initiator der Petersburg, Carsten Gronwald, in die dem Verfall preisgegebenen Hallen und verlassenen Räumlichkeiten des ehemaligen Güterbahnhofs Osnabrück. Der Versuch mit einem Investor das entsprechende Objekt anzumieten scheiterte, worauf hin er selber in das Mietverhältnis einstieg. Der damalige Eigentümer Deutschen Bahn – vertreten durch die Tochtergesellschaft der Aurelis Estate GmbH – unterstützte seine Ideen. Der Traum war, eingebettet in die Industriekulisse des alten Güterbahnhofs, ein Bandproberaumzentrum entstehen zu lassen. Gleichzeitig arbeitete er auch an dem Ziel, eine weitgefächerte Kunst- und Kulturszene an diesem Ort zu etablieren. Mit Freunden und den ersten Mietern schafften sie es gemeinsam, den Verfall des ehemaligen Verwaltungsgebäudes, das heutige Proberaumzentrum, zu stoppen. Eifrig wurden Fenster und Türen eingebaut, Toiletten saniert, eine Wasserleitung gelegt, und die Energieversorgung durch einen Stromgenerator gesichert.
Mit der Zeit entdeckten mehr und mehr Gruppen und Initiativen die nun benannte Traumfabrik-Petersburg für sich. Um einige Beispiele zu nennen: Im Jahre 2008 zog die Fußballfaninitiative Violet Crew in einen Atelierraum, 2009 wurde der Mimmis e.V. in der Traumfabrik-Petersburg gegründet um Begegnungen der Mieter und Gäste zu fördern. Im selben Jahr folgte die Tanzgruppe „tango arte“.
Die Kulturszene wuchs am Güterbahnhof und die Räumlichkeiten für die Kulturschaffenden reichten nicht mehr aus. Der Initiator mietete Anfang 2010 bei dem benachbarten Nachtclubbetreiber weitere Räumlichkeiten an. Somit konnte er die hohe Nachfrage an Atelierräumen, Theaterräumen, Tanzräumen etc. decken und somit die Vielfältigkeit der Petersburg auf zwei Orte verteilen und weiter wachsen lassen. Sogar Fotografen, eine Yogagruppe, eine Kochgruppe zogen ein.
Auch gab es in Osnabrück bis Dato noch keine Möglichkeit zum Klettern oder Bouldern. Deshalb baute sich eine Gruppe Kletterbegeisterter eine Boulderwand – die Boulderburg. Im selben Jahr wurden auch die ersten Hochbeete des Permakulturgartens Queerbeet, heute ein Aushängeschild urbaner Gartenkultur in Osnabrück, angelegt. Ziel des Gemeinschaftgartens ist die Urbarmachung der Industriebrache. Ein Künstlercafé entstand und der benachbarte Nachtclub wurde für grössere Veranstaltungen angemietet. Unter dem Namen Kult P. konnte eine weitere Gruppe von DJ ́s und Veranstaltern ein Raum in der Petersburg angeboten werden.
Auf Grund der vielen verschiedenen Initiativen und den mittlerweile über 500 Kulturschaffenden, die sich auf dem Güterbahnhof gesammelt hatten, ergab sich der Wunsch einen Verein zu gründen. Ziel war (und ist) es, die Interessen der verschiedenen Gruppen zu einen, damit zu stärken und weitere Synergien zu ermöglichen.
Der Kulturverein und der Initiator arbeiten seither zusammen unter dem neuen Namen Freiraum Petersburg an dem Zukunftsmodel, das ein unabhängiges, selbstverwaltendes Kulturzentrum als Ziel hat.

Beginn der Arbeit des Kulturvereins

Gegründet Ende 2010 ist der Kulturverein Petersburg e.V. als gemeinnütziger Verein anerkannt. Seitdem sorgte der er für ein buntes kulturelles Programm, zusätzlich zu dem durch die Gruppen gestalteten Alltag. Eines der ersten Projekte des Kulturvereins war die Herstellung des Begegnungsortes und Vereinscafés Mythos. Jeden Mittwoch finden dort im Rahmen des Offenen Cafés Konzerte, Lesungen, Spieleabende, Jamsessions und andere Veranstaltungen statt. Dazu kommen noch zahlreiche Veranstaltungen an anderen Wochentagen. (Wegen Räumung temporär geschlossen!)
Der Verein ermöglichte auch die Schaffung einer offenen Werkstatt. Den Bereich der feinmechanischen und elektrotechnischen Arbeiten und der Informatik deckt das Hackspace Wurmloch ab, welches allen Interessierten an den Themen Wissenschaft, Technologie, digitale Kunst und Hacken einen Raum für kreative Ideen bietet. Ebenfalls zum Freiraum Petersburg gehört die Rhythms of Resistance Trommelgruppe.
Auch das Schauspiel kommt an der Petersburg nicht zu kurz. Nachdem das Theater am Güterbahnhof 2013 seine Räumlichkeiten aufgeben musste, gibt es mit den „Theatermachern“ nun wieder eine Theatergruppe im Freiraum Petersburg. Jeden Montag proben die SchauspielerInnen an eigenen Stücken. Als Teil der Food Sharing Gemeinschaft sind die Lebensmittelretter Osnabrück am alten Güterbahnhof vertreten und betreiben hier einen öffentlich zugänglichen Fair-Teiler inklusive Kühlschrank, einen Sammelpunkt, an dem Essen abgegeben, gelagert und übergeben werden kann.