Kultur auf dem Abstellgleis?

Kultur auf dem Abstellgleis?

Die Zion GmbH hält an ihrer Klage gegen den Kulturverein Petersburg e.V. fest. Gegen das vor drei Wochen ergangene Versäumnisurteil des Landgerichts Osnabrück wurde Einspruch eingelegt. Weder für uns noch für aufmerksame Beobachter*innen ist dies eine große Überraschung. Fadenscheinige Gerichtsprozesse machen unserem Nachbarn aber offenbar Freude und so wird die Klage aller Wahrscheinlichkeit nach bis in die letzte Instanz gehen.
Wie auch der Richter am 08. Februar feststellte, fehlt es dieser Klage an einer klaren Argumentation. Auch der nun erfolgte Einspruch liefert keine neuen Beweise für einen entfallenen Nutzen.

Die letzten Jahre zeigten eindrucksvoll, welche krude Rechtsauffassung die Zion GmbH vertritt. Nicht nur Kulturschaffenden am Güterbahnhof werden vehement Steine in den Weg gelegt, auch die Stadt musste schließlich vor’s Gericht. Am letzten Donnerstag, dem 03. März wurde im Oberlandesgericht Oldenburg das Urteil über die Zuwegung am Ringlokschuppen entschieden. Obwohl die Stadt seit Juli 2015 ihr Wegerecht längst hätte umsetzen können, hüllten sich die verantwortlichen PolitikerInnen öffentlich in Schweigen, während der Kulturverein Petersburg e.V. die Bedeutung einer Zwischennutzung des Ringlokschuppens für die lokale Kulturszene immer wieder deutlich machte. Anfang Februar verschickten wir einen Rundbrief an alle Ratsmitglieder,um auf unser Anliegen aufmerksam zu machen. Beispielhafte Resonanz erhielten wir von unserem Oberbürgermeister Wolfgang Griesert. Über sein Sekretariat erhielten wir die Rückmeldung, dass unser Anliegen „zuständigkeitshalber“ seinem Amtskollegen und Stadtbaurat Frank Otte übermittelt wurde. Eine Reaktion des amtierenden Oberbürgermeisters, noch dazu mit dem Amt des stellvertretenden Kulturdezernenten betraut (!), hätten wir für mehr als angemessen gehalten.

Seit der Räumung der Vereinsflächen im Oktober 2014 wird kontinuierlich unsererseits an einem Konzept für den Erhalt der alternativen Kulturszene am alten Güterbahnhof gearbeitet. Die interne Auseinandersetzung mit übergeordneten Zielen und Inhalten sowie möglichen Organisationsformen ist seither ein elementarer Bestandteil unserer gemeinschaftlichen Kulturarbeit. Dafür stehen wir im Austausch mit einer Vielzahl von Institutionen, um anhand eines tragfähigen, wirtschaftlichen Organisationskonzepts der freien und selbstverwalteten Kulturszene am alten Güterbahnhof ein festes Dach über dem Kopf bieten zu können. Unsere Vision ist jedoch abhängig von den baurechtlichen Regularien des Bebauungsplans 370, der zur Zeit von der Stadtverwaltung ausgearbeitet wird und im Frühsommer veröffentlicht werden soll. Falls in diesem Plan ausdrücklich und ausschließlich Gewerbenutzungen vorgesehen wird, wird es nicht möglich sein, ein langfristiges und niedrigschwelliges Kulturangebot aufrecht zu erhalten.

Wir appellieren für ein dynamisches und vielseitiges Konzept für ein lebendiges Osnabrück, das zum soziokulturellen Wert der Stadt beiträgt und lebenswert macht. Kennt ihr die strategischen Ziele der Stadt Osnabrück? Der alte Güterbahnhof ist prädestiniert für eine zukunftsweisende Stadtentwicklung. Deshalb möchten wir eine reine Gewerbenutzung für Teile des ehemaligen Güterbahnhofs verhindern und führen seit Jahren Perspektivgespräche mit der Stadt. Unsere Gesprächsbereitschaft hat einen langen Atem, weil wir für unsere Vision am alten Güterbahnhof brennen! Daher trotzen wir mancher Ignoranz und suchen weiterhin nach konstruktiven Dialogen. Wir sehen uns am 13.03. bei Kalla Wefel in der Lagerhalle!

Bleibt bunt, kreativ und beharrlich konstruktiv,
euer Kulturverein Petersburg e.V.

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